Forschende des Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung haben neue funktionelle Unterschiede beim weit verbreiteten Darmbakterium Segatella copri entdeckt. Wie das Team in einer aktuellen Studie zeigt, besitzen einige Stämme zusätzliches genetisches Material, das sie deutlich toleranter gegenüber Sauerstoff macht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Cell Host and Microbe veröffentlicht.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der molekulare Regulator OxyR, der die bakterielle Reaktion auf Sauerstoff steuert. Stämme von Segatella copri mit OxyR überlebten unter Sauerstoffeinfluss deutlich besser als Varianten ohne diesen Regulator. Mithilfe umfangreicher Genomanalysen fanden die Forschenden zudem heraus, dass OxyR-haltige Stämme vor allem in industrialisierten Ländern verbreitet sind.
„Wir vermuten, dass diese Stämme in industrialisierten Regionen einen Selektionsvorteil haben“, sagt Prof. Dr. Till Strowig, Teamleiter der Studie und RESIST-Forschender. Ursachen könnten unter anderem häufigere Störungen des Darmmikrobioms durch Antibiotika sowie veränderte Umweltbedingungen sein, die zeitweise zu mehr Sauerstoff im Darm führen.
Die Studie zeigt, dass sich Bakterienstämme derselben Art genetisch stark unterscheiden können und dadurch unterschiedliche Anpassungsfähigkeiten besitzen. In weiteren Untersuchungen wollen die Forschenden nun klären, wie sich die verschiedenen Segatella-copri-Stämme auf die menschliche Gesundheit auswirken.
Der ganze Artikel und der Link zur Publikation unter: HZI | Genetisches Bonusmaterial macht Segatella copri sauerstofftolerant
Bild: © HZI / Mathias Müsken
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Segatella copri (Stamm HDD04).