Sabrina Schreiner hat seit Oktober 2020 die RESIST-Professur für Virusreplikation im zellulären Chromatin des MHH-Instituts für Virologie inne. Sie widmet sich humanen Adenoviren, die unter anderem Bindehautentzündungen, Magen-Darm-Beschwerden oder auch Lungenentzündungen verursachen.

In den meisten Fällen verläuft eine Erkrankung bei gesunden Erwachsenen ohne oder mit milden Symptomen. „Jeder hat in der Regel schon mehrere Adenovirus-Infektionen durchgemacht“, erklärt Professorin Schreiner. So galten die humanen Viren, von denen es aktuell mehr als 85 verschiedene Typen gibt, bisher als nicht besonders gefährlich. Doch bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann es zu schweren und auch tödlichen Verläufen der Infektion kommen. Besonders gefährlich ist eine Erkrankung für Kinder nach einer Stammzelltransplantation.
„Seit 2006 weiß man außerdem, dass auch bei gesunden Personen Infektionen mit Adenoviren auftreten, die schwere Lungenentzündungen mit Todesfolge auslösen können. Wir verstehen die molekularen Hintergründe noch nicht im Detail“, sagt Professorin Schreiner. Bisher existiert noch kein Medikament, das spezifisch gegen Adenoviren wirkt. Auch Impfungen für die Normalbevölkerung gibt es bislang nicht.

Sie untersucht mit ihrem Team, wie sich das Virus in der Zelle vermehrt. „Dabei haben wir beobachtet, dass sich bei einer Infektion mit Adenoviren die sogenannten PML-Kernkörperchen in der Zelle, ein Komplex aus mehreren Proteinen, stark verändern“, sagt sie. Die sonst runden Strukturen lösen sich auf und es entstehen langgezogene Fibrillen. „Es wird vermutet, dass die PML-Kernkörperchen eine antivirale Funktion haben – nicht nur bei den Humanen Adenoviren“, erklärt die 38-Jährige.

„Adenoviren zerstören die runden Strukturen der Proteinkomplexe und nutzen diese Manipulation der Zelle dann für die eigene Vermehrung“, beschreibt Professorin Schreiner. Ihr Team arbeitet deswegen an einem antiviralen Wirkstoff, der gegen diese zelleigenen Strukturen und nicht direkt gegen das Virus wirkt. Denn oft entwickeln Viren Resistenzen gegen Medikamente, die sie direkt angreifen. Zum Beispiel können sie so mutieren, dass sie vom Medikament nicht mehr erkannt werden. Kontakt: Schreiner-Gruber.Sabrina@mh-hannover.de

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