Corona hat es uns deutlich vor Augen geführt: Mit zunehmendem Alter kann das Immunsystem sich manchmal nur schlecht gegen Viren wehren. Leider wirken Impfungen bei Betagteren teilweise schwächer und Infekte verlaufen oft schwerer als bei Jüngeren – wie wir gerade in der Corona-Pandemie sehen. Doch warum ist das so? Um den Zusammenhang zwischen Alter und Infektionserkrankungen besser zu verstehen, baut der Exzellenzcluster RESIST derzeit eine Kohorte auf, in die 650 Bürgerinnen und Bürger aus Hannover aufgenommen werden sollen, nachdem sie zufällig ausgewählt worden sind und der Teilnahme zugestimmt haben. Ziel ist, dass die gewonnen Daten mit denen von Patientinnen und Patienten verglichen werden – um Krankheiten besser verstehen und behandeln zu können.

Mitte März, als gerade rund 100 Probandinnen und Probanden aufgenommen worden waren, machte die Corona-Pandemie dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und eine Pause wurde unumgänglich. Doch seit Mitte Juni 2020 kann die Rekrutierung weitergehen – selbstverständlich unter strengen Hygieneauflagen. Alle Teilnehmenden wurden oder werden zu ihrer Gesundheit, ihren Erfahrungen mit Symptomen und Tests im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, den Sozialkontakten und möglichen Auswirkungen der verhängten Einschränkungen befragt. Die seit Mitte Juni rekrutierten Teilnehmenden werden – neben allen bisher geplanten Untersuchungen – auch auf SARS-CoV-2-Antikörper getestet.

„Wir führen darüber hinaus auch bei allen Teilnehmenden der Studie spezifische zelluläre Tests mit SARS-CoV-2 Antigenen durch, um die altersabhängigen Immunmechanismen bei der Abwehr dieses Virus im Vergleich zu anderen Virusinfektionen besser zu verstehen“, sagt Professor Werfel, Leiter dieser Studie. „Wir bieten unseren Probanden auch eine App an, die vor allem bei einer Erkältung oder Grippe nützlich ist. Über die App erhalten die Probanden täglich eine kurze Abfrage, welche Symptome noch vorhanden sind, und zum Beispiel welche Medikamente sie eingenommen haben. Die Probanden können sich selbst zu Hause einen Abstrich nehmen und diesen kostenfrei an das Institut für Virologie schicken. Ob und welche Viren nachgewiesen werden konnten, kann über die App abgerufen werden“, sagt Dr. Yvonne Kemmling, die sich um die Durchführung dieser Studie kümmert. Zudem sollen die Daten der Menschen, die sich im Laufe der Zeit infizieren, mit denen von Nicht-Infizierten Menschen verglichen werden.

Zwei weitere von Professor Werfel und Professor Stangel (MHH-Klinik für Neurologie) geleitete RESIST-Studien konnten Mitte Juni 2020 ebenfalls starten. In diese Studien werden Patientinnen und Patienten aufgenommen, die an schweren Gürtelrose-Schüben beziehungsweise schweren Herpesvirus-Erkrankungen wie dem Ekzema herpeticatum bei Neurodermitis leiden. Auch diese Studien werden um Corona-spezifische Untersuchungen erweitert.

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