Der europaweite Bildungstag UniStem Day hat am 20. März 2026 erneut tausende Schüler:innen für die Stammzellforschung begeistert, auch an der Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Die Veranstaltung, die seit 2016 in Deutschland stattfindet und mittlerweile weltweit ausgetragen wird, vereinte in diesem Jahr über 35.000 Teilnehmende in mehr als zehn europäischen Ländern sowie weiteren internationalen Standorten.
In Hannover nahmen rund 28 Schüler:innen aus dem Stadtgebiet und der Region Hannover teil und erhielten einen exklusiven Einblick in aktuelle medizinische Forschung und klinische Praxis. Organisiert wurde der Tag durch RESIST-Prof. Lachmann, PD Dr. Ruth Olmer und Dr. Sylvia Merkert und unterstützt wurde der Tag vom Exzellenzcluster RESIST, der MHH sowie dem Deutschesn Zentrum für Lungenforschung.
Zum Auftakt begrüßte Stammzellforscher Prof. Dr. Nico Lachmann die Teilnehmenden und führte durch das Programm. Fachvorträge boten Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Medizin: So sprach die Kinderchirurgin Dr. Nastassja Becker über die angeborene Fehlbildung Ösophagusatresie und erläuterte Therapieansätze sowie Herausforderungen im klinischen Alltag.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf ethischen Fragestellungen in der Forschung. Prof. Dr. Nils Hoppe von der Leibniz Universität Hannover beleuchtete historische und aktuelle Aspekte medizinischer Ethik. Dabei spannte er den Bogen von den Nürnberger Prozesse bis hin zu modernen Debatten über Patientenrechte und Forschungsstandards. Auch der Fall von Henrietta Lacks und die bis heute genutzten HeLa-Zellen verdeutlichte die komplexen Fragen rund um Eigentum, Einwilligung und wissenschaftlichen Fortschritt.
Nach den Vorträgen konnten die Schüler:innen selbst aktiv werden: In Kleingruppen arbeiteten sie zu Themen wie Herz, Leber, Gentherapie, Blut und klinischer Forschung.
Besonders praxisnah war der Laborbesuch in der Arbeitsgruppe von Prof. Lachmann, wo die Postdocs Fawaz Dr. Saleh und Dr. Cristiana Ulpiano Einblicke in ihren Arbeitsalltag gaben. Sie lernten, wie Zellen entnommen, kultiviert, gepflegt und analysiert werden. Unter Anleitung arbeiteten sie mit modernen Pipetten, tauschten Nährmedien Zellflüssigkeiten aus und betrachteten Zellkulturen unter dem Mikroskop. Auch mathematische Berechnungen, etwa zur Herstellung von Nährlösungen, wurden gemeinsam durchgeführt. Die Begeisterung war deutlich spürbar, ebenso wie die hohe fachliche Kompetenz der Teilnehmenden, die viele Inhalte sogar auf Englisch problemlos verstanden.
Die Forschung der Arbeitsgruppe konzentriert sich auf die Entwicklung innovativer, zellbasierter Therapien, insbesondere für Lungenerkrankungen. Dabei spielen induzierte pluripotente Stammzellen eine zentrale Rolle, um neue Immuntherapien zu entwickeln und Krankheitsmechanismen besser zu verstehen.
Am Nachmittag stellte PD Dr. Robert Zweigerdt aktuelle Forschungsprojekte zur Herzentwicklung und regenerativen Medizin vor. Im Fokus standen unter anderem künstlich gezüchtete Herzgewebe sowie die Modellierung von Herzerkrankungen im Labor.
Den Abschluss bildete ein offener Austausch mit Mediziner:innen, Studierenden und Forschenden verschiedenster Disziplinen. In einer Feedbackrunde zeigten sich die Teilnehmenden begeistert: Neben fundiertem Wissen konnten sie praktische Erfahrungen sammeln und einen realistischen Einblick in wissenschaftliche Karrierewege gewinnen.
Der UniStem Day 2026 an der MHH wurde damit erneut zu einem erfolgreichen Brückenschlag zwischen Schule und Spitzenforschung und weckte bei vielen Jugendlichen die Begeisterung für eine Zukunft in den Naturwissenschaften.






