Die dritte Impfung – ist sie wirklich notwendig, um vor Corona geschützt zu sein? Wer sollte sich impfen lassen? .Prof. Schulz beantwortet in diesem Interview Fragen rund um das Thema dritte Impfung als Schutz vor Corona.

Herr Prof. Schulz, braucht es eine dritte Impfung? Und wenn ja: Für wen und wann? 

Ja. Im Prinzip für alle, deren zweite Impfung bereits mehr als sechs Monate zurückliegt. Dies ist im Prinzip nicht Überraschendes, auch manche anderen Impfstoffe müssen dreimal appliziert werden, um einen guten Schutz zu erreichen. Man erhofft sich davon eine Steigerung der Immunantwort und des Schutzes gegen Infektion mit, und Erkrankung durch, SARS-CoV-2.

Wer sollte sich unbedingt zum dritten Mal impfen lassen?

Nach gegenwärtiger STIKO-Empfehlung wird die Auffrischungsimpfung für Personen empfohlen, die älter als 70 Jahre sind und / oder die in einem Altersheim oder einer Pflegeeinrichtungen leben, im Pflegebereich arbeiten, direkten Patientenkontakt haben oder bei denen von einem eingeschränkten Immunsystem ausgegangen werden kann. Hinzu kommen Menschen, die mit dem Johnson & Johnson (Janssen) Impfstoff geimpft wurden, der nur einmal gegeben wird. Es sollte ein mRNA-Impfstoff für die Auffrischung verwandt werden. Seit Anfang Oktober 2021 ist der Comirnaty (BioNTech/Pfizer) Impfstoff für die Auffrischungsimpfung von Personen über 18 Jahren zugelassen.

Weiß man, ob es bei bestimmten Impfstoffen vermehrt zu Impfdurchbrüchen kommt? Dann müssten sich Manche mit der dritten Impfung besonders beeilen…

Für den Janssen Impfstoff (nur eine Dosis) wird eine Auffrischimpfung empfohlen. Bei den anderen in Deutschland verwandten Impfstoffen geht man davon aus, dass sie ungefähr gleich gut wirken. Die mRNA-Impfstoffe (Moderna, BioNTech) verleihen vielleicht etwas besseren Schutz gegen die Delta Variante als der Astra Zeneca Impfstoff, der Unterschied ist aber nicht so groß, dass eine Empfehlung zur Auffrischung speziell nach diesem Impfstoff ausgesprochen worden wäre.

Spricht etwas gegen die dritte Impfung und wie steht es um Nebenwirkungen von Booster-Shots?

Nein, es spricht nichts gegen die dritte Impfung – außer den auch für die erste und zweite Impfung geltenden (sehr seltenen) Einschränkungen.
Es gibt wohl ähnliche Nebenwirkungen wie bei der Erst- und Zweitimpfung.

Welche Studienergebnisse gibt es zur Wirkung der Drittimpfung in Bezug auf besseren Schutz vor Ansteckung und somit Übertragung bzw. vor schweren Verläufen?

Es gibt beispielsweise eine veröffentlichte Studie*, die ergab, dass Personen über 60 Jahre, deren Zweitimpfung mindestens fünf Monate zurücklag, nach der Auffrischungsimpfung mit dem BioNTech/Pfizer Impfstoff zirka zehnfach besser gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2, und ca. 20fach besser gegen eine COVID-19 Erkrankung geschützt sind als eine Kontrollgruppe, die die Auffrischungsimpfung noch nicht erhalten hatte.

Selbst wenn eine 2+1-Strategie ideal ist, müsste man dagegen nicht abwägen, dass in Afrika, Südostasien und Lateinamerika die meisten nicht einmal zwei Impfungen bekommen haben?

Wir sehen zurzeit in Deutschland, dass auf Grund der rasch steigenden Infektionszahlen jetzt auch geimpfte ältere Personen, deren Erst- und Zweitimpfung jetzt ja schon oft mehr als sechs Monate zurückliegt, wieder häufiger infiziert werden und manchmal auch schwer erkranken können. Deshalb ist es unbedingt notwendig, den Impfschutz in dieser Personengruppe wieder zu verstärken. Ähnliches gilt für Personen, die im direkten Kontakt zu Patientinnen, Patienten oder Pflegebedürftigen arbeiten und deshalb einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Wir sehen ebenfalls zurzeit, dass die Belastung der Krankenhäuser in den nächsten Wochen aufgrund der hohen Infektionszahlen (der größte Teil dieser Infektionen geschieht leider bei Personen, die sich noch nicht haben impfen lassen) wieder sehr stark steigen wird. Deshalb sind wir leider nicht in einer Situation, in der wir auf die Auffrischungsimpfung verzichten könnten und den Impfstoff lieber an Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen abgeben könnten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr zur RESIST-Forschung